Über die Corniche d’Or entlang der Esterel-Küste
Abgesehen von einem Abstecher in einen Supermarkt stand für heute hauptsächlich der Ortswechsel von Saint Aygulf nach Villeneuve-Loubet auf dem Tagesprogramm.
Vorher noch gut frühstücken nach einer Nacht, in der ich diesmal tatsächlich von einem Sturm sprechen würde. Das Wohnmobil wurde ordentlich durchgerüttelt, ich denke nicht, dass ich das in der Form zuvor schonmal erlebt habe.
Villeneuve-Loubet liegt günstig für die Abstecher nach Nizza und Cannes. Unser Plan: Von einem der dortigen Campingplätze aus unsere Ausflüge starten und mit dem Regionalexpress (TER) bequem die Städte anfahren.
Die Corniche d’Or (D559) windet sich von Saint-Raphaël, das kurz hinter Saint Aygulf liegt, über unzählige Kurven vorbei an kleinen und noch kleineren Ortschaften nach Cannes. Die roten Berge aus Porphyrgestein zur Linken das tiefblaue Meer zur Rechten ergeben mit dem ebenso kräftigen Blau des Himmels und dem Grün der niedrigen Buschvegetation ein phantastisches Farbspiel.
Kurz hinter Saint-Raphaël liegt das Cap Dramont, eine Landzunge, die die Alliierten 1944 als Landungszone nutzten. Daran erinnert heute ein Denkmal ganz in der Nähe. Das Denkmal konnten wir nicht besuchen, weil Wohnmobile auf dem Parkplatz nicht erwünscht sind (Schilder und Höhenbeschränkungen verhindern die Einfahrt). Kurz danach bog ich rechts in eine Seitenstraße ein, wovon mich ebenfalls ein Verbotsschild für WoMos abhalten wollte. Ich habe es ignoriert. Sorry, aber mir erschließt sich nicht, warum hier ein Unterschied zwischen Touristen per PKW und Touristen per Wohnmobil unterschieden wird.
Mit unserem Eura mit seinen 6,30m ist die teils enge Straße keine Herausforderung und absolut stressfrei zu fahren. Mit einem Wohnmobil deutlich über 7m dürfte die Strecke hier und da doch schon anspruchsvoll sein und die volle Konzentration erfordern. Trotzdem würde ich mir diese Traum-Passage mit ständigem Blick auf das Meer und die auch mit einem größeren Fahrzeug nicht entgehen lassen.
Es gibt ausreichende Aussichtspunkte, die ausreichend Platz bieten für PKW oder auch größere Fahrzeuge. Radfahrer gönnen sich ihre verdienten Pausen und genießen ebenfalls die imposanten Panoramen. In einem Satz: Die Corniche d’Or ist alternativlos, diesen Abschnitt darf man als Tourist nicht per Autobahn abkürzen.
Villeneufe-Loubet ist eine belebte Stadt mit dem üblichen Straßenverkehr, (mindestens) einem Einkaufszentrum, einem Bahnhof. Auf dem Campingplatz in Saint Aygulf hatte man mir mitgeteilt, dass eine Reservierung jetzt, außerhalb der Saison, nicht notwendig gewesen wäre. Also hatte ich auf die Reservierung für den Platz in Villeneufe-Loubet verzichtet – und prompt bestraft. Ausgebucht! Am Rande sei hier erwähnt: Die Campingplätze liegen mitten im Ort zwischen Wohnblocks und Gewerbegebieten.
Wir suchten im Web nach dem nächstgelegenen Platz. Auch hier teilte mir eine nette Dame am Empfang mit, dass sie nur noch Stellplätze bis 6m anbieten könne. Und nein, 6,30m seien leider bereits zu lang. Nach einigem Zögern fiel ihr ein, dass sie doch einen Platz für uns hätte, außerhalb des Camping-Geländes: B2. Ich solle mir den ansehen und ihr sagen, ob der in Ordnung ist.
Der Stellplatz an einer Mauer, hinter der eine stark befahrene Straße vorbei führte, wäre für uns als Notlösung okay gewesen, besser als nichts. Einige Wohnmobilisten teilten das uns offensichtlich zugedachte Schicksal bereits. Zurück an der Rezeption empfing mich die Frau von der Rezeption mit einem neuen überraschenden Angebot; wenn ich wolle könnte ich mir auch Platz M3 anschauen, der läge innerhalb des Geländes. Der wäre für Fahrzeug gedacht, die länger als 7m sind aber der Preis sei der selbe, wie der vorne an der Straße.
Ich flitzte den Platz hinauf und war mir schon auf dem Weg sicher, dass M3 die richtige Wahl sein würde, denn mit jedem Schritt nahm der Straßenlärm spürbar ab und der Platz offenbarte einen eigenwilligen aber sympathischen Charme.
Jetzt ist es nach Mitternacht, völlige Stille ringsum, echtes Urlaubsfeeling. Glück gehabt!

