Impressionen im Abendlicht
Spät nachmittags trafen wir auf dem Campingplatz Bagatelle an, der auf der Île de la Barthelasse direkt an der Rhône – und an einem Fußballplatz liegt. Während auf dem Rasenplatz ein wichtiges Spiel ausgetragen wurde, bereiteten wir uns auf den ersten Ausflug nach Avignon vor.
Inzwischen haben wir das ‚Festmachen‘ und ‚Ablegen‘ gut im Griff, sodass wir in der Regel innerhalb kurzer Zeit das Wohnmobil am Strom anschließen und in die Waage bringen oder von einem Stell- bzw. Campingplatz abreisen können.
Das Erste, was man von Avignon sieht, ist der Straßenverkehr. Wir kamen kurz nach der Rush Hour an, da ging es noch. Zu Stoßzeiten sind die täglichen Fahrten zur Arbeit oder nach Hause sicher nicht so toll. Für uns kein Thema, da der Campingplatz nicht nur in unmittelbarer Nähe zur Rhône, sondern auch an der Verbindungsbrücke hinüber zur Stadt liegt.
Als wir auf dem Weg zur Stadt waren, ging die Sonne unter und wir hatten ein phantastisches Licht, das auf die Mauern des Papstpalastes und die Brücken fiel.
Im Ort gibt es abgesehen von den historischen Sehenswürdigkeiten selbstverständlich jede Menge Cafés und Restaurants, damit die Touristen ordentlich versorgt werden können. Für diesen Abend sollte es vor allem bei ersten kulinarischen Eindrücken bleiben. Wir überbrückten die Wartezeit bis zur Öffnung des Le 46 (dazu später etwas mehr) bei Wein und Bier an einer der typischen Gaststätten. Sehr authentisch fand ich den Wirt, der in Schlappen seine Gäste bewirtet, die an seinen Tischen beiderseits einer schmalen verkehrsberuhigten Straße sitzen. Wie sagt man? Wortkarg würde den guten Mann sicher nur teilweise ausreichend beschreiben.
Le 46
Üblicherweise öffnen die Restaurants ab 19:00h. Wir hatten im Le 46 reserviert, einem modernen, aber dennoch gemütlichen Restaurant mit – meines Erachtens – gehobener Qualität. Serviert wird französische Küche mit mediterranem Schwerpunkt. Auffällig übrigens war die Freundlichkeit der Servicekräfte auf unserer gesamten Frankreich-Tour. Sowohl weit unten im Süden, als auch dann wieder nördlicher. Gleichermaßen in den Restaurants, Museen, Geschäften oder den Rezeptionen der Campingplätze.
Zum Essen orderten wir einen Rosé und ich denke, wir hatten wieder einmal Glück mit der Wahl des Restaurants. Nach den zwei kräftigen belgischen Bieren in der Mon Bar und dem Wein im Le 46 war ich leicht angesäuselt. Gute Voraussetzungen, später fest zu schlafen. Gabi hatte zwar kein Bier, aber ich denke, sie hatte ebenfalls eine angenehme Nachtruhe.
Papstpalast Avignon
Am nächsten Morgen stand als erstes der Besuch des Papstpalastes auf dem Programm. Alles, was es darüber zu wissen gibt, lässt sich im Internet nachlesen. Wie immer in diesem Blog, erzähle ich lediglich aus eigener Sicht, was wir erlebten.
Das Titelbild dieses Beitrags zeigt übrigens eine Inschrift, die ich im großen Audienzsaal fotografierte, wo auch Gericht gehalten wurde: LOCUS DOMINI BERNARDI HUCONIS DE CARDALLIACO. Ich habe die KI ein wenig recherchieren lassen, die nach ein wenig Hin und Her (in kurzer Zusammenfassung) herausfand, dass Bernardus Hugonis de Cardalliaco päpstlicher Richter war. Sie ist nicht zu 100% sicher, aber vermutlich und passend zum gesamten Kontext bedeutet die Inschrift frei übersetzt etwa ‚Sitzplatz des Herrn Bernardus Hugonis von Cardalliac‘. Es handelt sich also gewissermaßen um ein Namensschild bzw. eine Sitzplatz-Reservierung 🤓
Und was haben wir gesehen? Einen riesigen Palast, dessen Besichtigung mindestens zwei Stunden dauert (diese Zeit haben wir auch benötigt). Leider hat man die Tablets mit Augmented Reality, mit denen bis letztes oder vorletztes Jahr jeder Besucher ausgestattet wurde, wieder abgeschafft. Das ist deswegen schade, weil die Räume und Sääle oft kahl sind und ich selbst nicht die Vorstellungskraft habe, mir auszumalen, wie es darin einmal aussah. Trotzdem war der Papstpalast ein echtes Erlebnis wegen seiner Architektur, seiner Geschichte und der Geschichten, die es dank App nachzulesen gab und nicht zuletzt wegen seiner puren Größe.
Die Färber
Beim Verlassen des Papstpalastes fragte ich einen der Wachtposten, wo in der Stadt es besonders schön wäre. Ohne zu zögern nannte er zwei Dinge, die wir uns ansehen sollten: Sein erster Tipp war die Rue des Teinturiers (die Straße der Färber), ein ehemals zentraler Ort der ehemaligen Textilindustrie. Hier drehen sich noch immer uralte Wasserräder, Bäume säumen den Weg und die Gasse ist insgesamt sehr fotogen. Andererseits… fotogen kann alles Mögliche sein, daher habe ich nachfolgend zwei Bilder untergemischt, die nicht in der Straße der Färber entstanden sind. Vielleicht findet Ihr sie ja 🤭
Baden, Duschen, Waschen
Der zweite Tipp des Wachmannes am Ausgang des Papstpalastes war das Musée des Bains Pommer. Ein Ort der Reinlichkeit. Für uns kaum vorstellbar, aber im 19. und auch weit in das 20. Jahrhundert hinein waren fließendes (noch dazu warmes) Wasser in der Regel eher den wohlhabenden Menschen vorbehalten. Nicht nur in Avignon. Solche Badeanstalten waren also ein richtig gutes Business.
Das Museum in Avignon ist recht neu und zeigt eine solche Badeanstalt sehr eindrücklich. Der Besuch hat sich nicht nur gelohnt, sondern war zudem sogar kostenlos. So wie einige andere der städtischen Museen in Avignon auch. Man beachte übrigens das Bild in dem linken Raum hinter Gabi, die auf der Galerie posiert 😉
Also unbedingt in die 25 Rue Four de la Terre gehen und die Badeanstalt der Familie Pommer besuchen!
Pont Saint-Bénézet
Nach dem Besuch der Badeanstalt gönnten wir uns den obligatorischen Café, diesmal mit einem unglaublich leckeren Stückchen Kuchen. Danach zogen wir weiter zurück in Richtung Papstpalast und der Brücke von Avignon, die bekanntermaßen mitten in der Rhône endet, weil ihr 18 von den ursprünglich 22 Bögen abhanden gekommen sind. In Avignon zu sein, ohne auf der Brücke gestanden zu haben – das wäre schon extrem untouristisch.
Der Zugang zur Brücke liegt leicht auffindbar in der Nähe des Papstpalastes nordwestlich vom zentralen Marktplatz aus. Oder man geht die Stadtmauer vom zentralen Stadttor aus in nordwestlicher Richtung gesehen hinunter. Wir wählten die letztere Variante, was allerdings wegen der Hauptverkehrszeit weniger schön war. Um auf die Brücke zu gelangen, muss man übrigens ein paar Euro hinterlegen. Unbefristet.
Auf der Pont Saint-Bénézet tummelten sich logischerweise die Touristen aller Herren Länder. Aber es war gut erträglich, die Anzahl der Menschen war überschaubar und jeder konnte ’sein‘ Foto machen, ohne dass man sich in die Quere kam. Ich möchte nicht wissen, was hier zur Hauptsaison los ist!
Jetzt beim Schreiben dieses Beitrags fällt mir auf, dass die wenigen Fotos, die ich auf der Brücke gemacht habe, Gabi zeigen. Aber okay, das ist eine eindeutige Aufwertung der Brückenbilder.
Tschüss Avignon
Direkt von der Brücke spazierten wir das kurze Stück hinüber zum Jardin du Rocher des Doms. Dabei handelt es sich um einen Park auf einer Anhöhe, von der aus man einen tollen Blick hinunter auf die Stadt und den Fluss hat.
Es wurde bereits dunkel, als wir die Treppen zum Park hinaufstiegen und laut den Beschilderungen würde der Park in wenigen Minuten schließen. Scheinbar war das aber nur eine leere Drohung der hiesigen Verwaltung, denn viele Menschen (offensichtlich auch Einheimische darunter), wandelten hier oben vor sich hin, genossen die Aussicht oder eine Flasche Wein oder hatten den Wein gegen irgendein Gras getauscht, das sie rauchten. Nette Stimmung hier oben, alle waren gut drauf.
Recht schnell holten uns nicht nur die Dunkelheit sondern auch die kühle Abendluft ein. Wir sammelten auf dem Weg durch die noch immer belebte Altstadt letzte Eindrücke, warfen von der Hauptbrücke einen Blick zurück auf den Papstpalast und die lila leuchtende Pont d’Avignon, um dann endgültig auf dem Campingplatz in unserem Wohnmobil abzutauchen.










































