Herbstferien an der Côte d’Azur, Tag 9 – Cannes

Herz und Bauch

Gern wiederhole ich an dieser Stelle, wie einfach es ist, vom Campingplatz in Villeneuve-Loubet einige der bekannten Städte an der Côte d’Azur zu erreichen. Erneut fuhren wir mit dem TER und waren nach einer knappen halben Stunde in Cannes.

Auf dem Weg zum historischen Viertel Le Suquet, das auf einer Anhöhe oberhalb des Hafens liegt, kamen wir an der alten, traditionellen Markthalle Marché Forville vorbei. Man spricht hier auch vom ‚kulinarischen Herz und Bauch‘ von Cannes. Angeboten werden allerlei Produkte aus regionaler Herstellung. Wir deckten uns bei einem Händler mit Pfeffer, Sesam und anderen Gewürzen ein. Außerdem nutzte Gabi an einem anderen Stand die Gelegenheit, endlich mal die frittierten Zucchiniblüten zu kosten. So richtig überzeugt war sie allerdings nicht.

Nach dem Marktbesuch ging es die steilen Gassen hinauf, die – gemeinsam mit einigen wenigen Quergassen – das mittelalterliche Le Suquet bilden. Vielleicht waren wir wieder mal etwas flott unterwegs, jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass dieser historische Stadtteil endete, kurz nachdem er begonnen hatte. Ganz oben befindet sich das Musée de la Castre, das allerdings geschlossen hatte. Das war nicht weiter schlimm, wir genossen stattdessen den grandiosen Blick auf Cannes und darüber hinweg.

Unter anderem leuchteten von dort unten die rund 7.000 pinken Trikots der Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Odysséa Cannes 2026 zu uns herauf, die sich an der Promenade La Croisette entlang bewegten und denen fortwährend zugejubelt wurde. Die Odysséa ist eine Laufveranstaltung zugunsten der Brustkrebsforschung (hauptsächlich), die jedes Jahr stattfindet und an diesem Sonntag ausgerichtet wurde. Ähnliche ‚pinke‘ Veranstaltungen, gibt’s ja auch bei uns in Deutschland.


Sainte-Marguerite

Die KI empfahl den Ausflug mit dem Boot auf eine der Îles de Lérins:

Option 1 - Sainte-Marguerite: Fort Royal mit der Zelle des "Mannes mit der eisernen Maske", Pinien- und Eukalyptuswege, Picknick am Wasser
Option 2 - Saint-Honorat: Zisterzienserabtei, in der Mönche Wein anbauen, dazu ein Klosterturm am Meer. Sie ist ruhiger und spiritueller

Wir entschieden uns für die ruhige und spirituelle Variante. Nein, nicht Saint-Honorat. Da steppte vermutlich vergleichsweise der Mönch. Wir fuhren nach Sainte-Marguerite, weil wir davon ausgingen, dass es dort etwas lebhafter zugehen könnte. Aber falsch gedacht. Das Highlight der Insel, Fort Royal ist ein Museum.

Hier wurden zwischen 1689 und 1725 mehrere protestantische Pastoren gefangengehalten, um sie zur Konvertierung zum Katholizismus zu zwingen. Durch die strenge Isolationshaft und die Umstände starben viele von ihnen oder verloren den Verstand. „Der Mann mit der Eisernen Maske“ ist eine Story. Wer es genauer wissen will, googelt nach Eustache Dauger.

Ansonsten war das Museum angemessen langweilig. Die gesamte Anlage mitsamt dem großen Vorplatz wirkte auf uns trist und nicht gerade liebevoll gepflegt. Wir verließen das Fort und spazierten durch den Wald. Wie in den Reiseführern beschrieben, roch es nach Eukalyptus. Wohl ebenfalls sehenswert ist die Brackwasserlagune mit dem Vogeschutzgebiet. Aber so weit sind wir trotz eines ordentlichen Marsches nicht gekommen. Sei’s drum, die Anfahrt mit dem Boot war auch schon ein schönes Erlebnis.


Reich und Schön

Zurück von der Insel Sainte-Marguerite begaben wir uns direkt zur Montée des Marches; wir hatten einen publikumswirksamen Auftritt über den roten Teppich und die Stufen hinauf zum Palais des Festivals et des Congrès geplant. Aber als wir dort ankamen, hatte man wohl den roten Teppich schon wieder eingerollt. Frechheit! So sieht das Ensemble aus Fassade, Stufen, Bürgersteig und der Straße davor äußerst unspektakulär aus. Gewissermaßen belanglos.

Originell dagegen sind die in den Boden eingelassenen Handabdrücke verschiedenster Künstler der Filmbranche, teils aus längst vergangenen Zeiten. Viele davon werden die meisten jungen Leute aus der Gen Z, kaum kennen.

Vielleicht ist es nicht sinnvoll und sicher auch nicht notwendig; trotzdem überlegten wir gegen Ende unserer Tour bei einem Café im Café, welche der beiden Städte uns besser gefallen hat: Nizza oder Cannes. Auch wenn Cannes seine schönen oder interessanten Seiten hat, fiel unsere Wahl doch eindeutig auf Nizza.

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