Stadtbesichtigung
Wie geplant fuhren wir heute mit dem TER von Villeneuve-Loubet nach Nizza. Vom Campingplatz zum Bahnhof sind es nur fünf Minuten Fußweg, Der Zug braucht etwa 20 Minuten bis Nice-Ville. Sehr ungewohnt: die Züge sind pünktlich! Einfacher kann man als Tourist nicht in die Stadt hinein, denke ich. Vom Bahnhof sind es gut 10 Minuten Fußweg, dann hat man den weniger schönen Teil der Stadt hinter sich gelassen.
Unser erstes Ziel war der Blumen- und Gemüsemarkt Cours Saleya in der Altstadt. Abgesehen von Waren wie Seife oder persönlich vom afrikanischen Künstler auf seinem Teppich geschnitzte Figuren, die wohl eher für die Touristen gedacht sind, werden Gemüse, Obst, Süßspeisen und allerlei andere – teils exotische – Dinge verkauft.
Noch ein Satz zu den afrikanischen Kunst-Handwerkern: es waren ihrer mindestens drei, die ich sah. Jeder von ihnen hämmerte, sägte oder schmiergelte intensiv an einem Stück Holz. Vielleicht täusche ich mich aber ich kann mir kaum vorstellen, wie bei diesem unbeholfen wirkenden Werkeln später aus dem groben unförmigen Holzklotz eines dieser filigranen Tiere werden sollte. Abgesehen davon, dass die Muse wohl alle drei oder vier Meister gleichermaßen geküsst hatte 🤣
Wir kauften Tee, ließen uns von den Auslagen überraschen und machten ein paar Fotos. Dann nach einem kurzen Abstecher zur Promenade des Anglais, die am Meer und in unmittelbarer Nähe zum Markt liegt, gönnten wir uns einen Capuccino im Außenbereich eines Cafés, ebenfalls direkt am Markt.
Im Regen zum Colline du Château
Vom Café steuerten wir zunächst das Plateau am Quai Rauba Capeù an. Das liegt auf einer Erhöhung zwischen der Promenade des Anglais und dem Hafen. Dort ist ein riesiger Schriftzug #I Love NICE aufgebaut, der mit dem Meer, dem Strand und der Stadt im Hintergrund einen coolen Foto-Hot-Spot hergibt.
In unmittelbarer Nähe liegt der Park Colline Château, der entweder über einige Treppenstufen oder mittels Fahrstuhl erreichbar ist. So oder so geht es hoch hinauf über die Stadt in eine weit verzweigte Parkanlage. Auch hier ergeben sich unzählige Möglichkeiten für Selfies oder Panorama-Fotos.
Den Wasserfall sahen wir nicht, dafür genug anderes Wasser. Bis zum Cappucino am Blumenmarkt hatte noch die Sonne geschienen, dann war rasch eine Schlechtwetterfront aufgezogen und jetzt regnete es kräftig. Wir stellten uns am Bogenpavillon unter (ganz in der Nähe der Fundamente der Kathedrale des historischen Schlosses). Eine große Gruppe einheimischer Kinder zwischen 6 und 11 Jahren und ihre Betreuer hatten sich dort auf ihren Handtüchern zum Picknicken niedergelassen. Echt lustig und lebhaft die Kleinen. Vermutlich handelte es sich um eine Ferienfreizeitbespaßung.
Schwarz Weiß Fotographie
Als der Regen nachließ machten wir uns auf den Rückweg durch den Park zur Stadt. Der Regen hatte aber nur für eine kurze Weile ‚aufgehört‘, um kurz darauf erneut einzusetzen. Als wir unten in der Stadt ankamen, waren wir beide ordentlich nass. Aber was soll’s? Das hielt uns nicht davon ab, am Hafen in eines der Restaurants einzukehren. Es war bereits nach 14:00h und der Chef war nicht mehr besonders motiviert, dafür umso mehr seine Servicekräfte und der Koch, die uns mit einem Salat Nizza (großzügig mit Thunfisch, Sardellen, Oliven, Staudensellerie, Chilli und Zwiebeln angemacht), sowie einer Pissaladière (ein süßsalziger Zwiebelkuchen mit Oliven, Zwiebeln, einer Olive und einer Sardelle) überzeugten.
In der Altstadt sahen wir uns noch eine Weile um und stießen dabei mit Glück auf das Musée de la Photographie Charles Nègre. Ausgestellt wurden Schwarzweiß-Bilder der Schweizer Fotographin Sabine Weiss, die vor allem in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts unter anderem für Mode- und Reisejournale tätig war. Uns haben die Fotos sehr gut gefallen. In einem Interview, das sie im hohen Alter zeigt, gibt sie ein Statement ab, das meines Erachtens ihre Art zu Fotografieren treffend beschreibt. Da sagt sie, dass ihr Werk keine Kunst sei. Nein, das sei nicht passend. Sie fühlte sich zu den Menschen, die sie fotografierte, hingezogen, sie seien gewissermaßen auch ein Teil ihres eigenen Daseins. ‚Aber Kunst? Nein, wirklich nicht.‘



















