Einen Versuch ist es wert
In diesem Jahr (2026) ist es uns nicht möglich, im Sommer zu verreisen. Also waren wir im Frühjahr in der Toskana und jetzt gerade reisen wir durch Frankreich. Da uns auch diesmal nur zwei Wochen zur Verfügung stehen, haben wir immer wieder überlegt, wohin es denn gehen soll. Portugal und Griechenland und nochmals Kroatien stehen auf der Liste aber diese Ziele lohnen sich mit dem Wohnmobil für uns nur, wenn wenigstens drei Wochen Zeit zur Verfügung stehen.
Südfrankreich, speziell die Côte d’Azur wollten wir eh bei Gelegenheit sehen aber in der Hauptsaison ist das für uns weniger attraktiv. Insbesondere mit dem Wohnmobil ist man in den Städten kein willkommener Gast, sogar an den Einkaufszentren soll es teilweise nicht möglich sein, zu parken. Passt doch, der Herbst bietet sich also an.
Die Anreise war wenig spektakulär. Eher ganz im Gegenteil war es pure Fahrzeit. Insbesondere für die Beifahrerin bzw. den Beifahrer doch ein bisschen öde. Aber immerhin, es geht weg vom Alltag hin zur Freizeit.
Etappe I – Samstag – Pont-à-Mousson bzw. Millery
Erstes Etappenziel war ein Stellplatz in Pont-à-Mousson, direkt an der Mosel. Knapp 300km von zuhause entfernt. Der Stellplatz schließt seine Pforten lt. Promobil um 20:00h. Machbar wenn wir gegen 14:30h starten. Nicht mehr machbar, wenn wir um 15:40h starten, der Stellplatz tatsächlich um 19:45h schließt und wir uns unterwegs eindecken mit dem Nötigsten: Wein, Sekt, Aperol. Wir standen um 19:55h vor der Schranke. Aber was soll’s? Der nächste Stellplatz sollte lt. einer der Apps ca. 500m weiter sein. Naja, das sah allerdings doch eindeutig nach einem McDonalds aus. Egal, 15 Minuten entfernt winkte schon der übernächste Stellplatz. In einem Dorf namens Millery, ebenfalls direkt an der Mosel gelegen. Der Clou: Gebührenfrei, lediglich den Strom und Wasser zahlt man bei Inanspruchnahme. Dank unserer großzügig dimensionierten Batterien und ausreichen Wasservorräten für uns nicht noch nicht notwendig.
Etappe II – Sonntag – Valence
Wir haben gut und lange geschlafen. Wie es sich für anständige Urlauber gehört. Nach dem Frühstück ging es weiter gen Süden. Zwischenziel Valence. Die längste für diesen Urlaub geplante Strecke an einem Stück: 520km. Aber ja, der Weg ist das Ziel!
Ebenfalls ein kommunaler Stellplatz, auch gesichert durch eine Schranke. Am späten Nachmittag trafen wir ein, früh genug. Oder doch nicht? An der Einfahrt leuchtete in großen grünen französischen Lettern:
Aire de camping-car – LIBRE
Perfekt. Ran mit dem Auto an den Automaten, EC-Karte rein, PIN eingeben. Das Display zeigte PIN ok und danach Declined. Hmmm… Nochmal: EC-Karte rein, PIN eingeben… PIN ok – Declined. Hmmm… VISA-Karte rein, PIN eingeben… den Rest erspare ich Euch.
Mittlerweile stand hinter mir das nächste Wohnmobil mit Begehr um Einlass.
Gabi hatte die rettende Idee, ich solle doch einfach mal auf den Hilfe-Knopf drücken. Am anderen Ende eine freundliche Französin. Nach einer kurzen Erklärung, was ich zu tun hätte (und getan habe), kam der nette Hinweis, dass der Automat häufiger Probleme macht. Dann war sie futsch. Hatte vermutlich noch andere Dinge zu tun.
Hinter uns warteten jetzt geduldig drei Wohnmobile, das letzte stand schon halb auf der Hauptverkehrsstraße.
Also betätigte ich den Hilfe-Knopf erneut, diesmal war am anderen Ende ein netter Franzose. Auch er erklärte mir, was ich da am Automaten zu tun hätte. Er glaubte mir, dass ich seinen Anweisungen Folge geleistet hatte und öffnete am Ende die Schranke mit dem Hinweis, dass ich ja eventuell später zahlen könne.
Etappe III – Montag – Ankunft Saint-Aygulf (Côte d’Azur)
Morgens schnell noch einen fachmännischen Blick in den Motorraum geworfen, Luft im Reifen kontrolliert (das sah nur wenig aus) und schon ging’s weiter. Gedacht. Natürlich wollte sich diesmal die Schranke zum Auslass nicht öffnen. Wie denn auch, wenn man kein Ticket von der Einfahrt hat.
Ich mach’s kurz: Notruf-Taste an der Auslass-Schranke, Madame am Telefon, ich zu ihr: ‚Hallo und Guten Morgen, ich kann hier nicht zahlen und der Automat hat gestern schon gestreikt‘ – ‚Zahlen Sie am Selbstzahler-Automaten‚ – ‚Nein, hier ist kein Selbstzahler-Automat‘ – ‚Doch, da muss einer auf dem Gelände sein‚ – ‚Nein hier ist kein Selbstzahler-Automat‘ – ‚Auf dem Gelände müsste aber ein Selbstzahler…‚ (das haben wir mindestens viermal durch exerziert) – ‚Nein, hier ist kein Automat für Selbstzahler, aber ich versuche mein Glück nochmal am Automaten der Einlass-Schranke‘ – ‚Ja, machen Sie das‚.
Am Automaten der Einlass-Schranke: ‚Hallo, ich bin’s wieder, der Automat funktioniert immer noch nicht‘ – ‚Konnten sie nicht am Selbstzahler-Automaten bezahlen?‚ – ‚Nein, den gibt es hier nicht‘ – ‚Okay, gehen Sie wieder zur Auslass-Schranke, mal sehen, was ich tun kann‚.
An der Auslass-Schranke: ‚Hallo, da bin ich wieder‘ – ‚Okay, ich glaube, das funktioniert so nicht, ich lasse sie jetzt so raus fahren‚ – ‚Merci et au revoir‘.


